Die Ausstellung

Abb. links: Thomas Baumhekel (*1963), Der kaum zu umfassende Baum wächst aus einem zarten Keim / Der neunstöckige Turm entsteht aus einem Häufchen Erde / Die Reise von tausend Meilen beginnt vor deinem Fuß (Laozi, Daodejing, 64), 25.6.1996, Tusche auf Holz // Abb. rechts: Paul Klee (1879—1940), Physiognomie einer Anpflanzung, 1924, Aquarell (Detail)

Überflogenes Weiß (II)

Thomas Baumhekel: Arkona.
Deutsche Landschaft japanisch

07. Juni — 15. Juli 2018

Ort:

Hegenbarth Sammlung Berlin
Nürnberger Straße 49
10789 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag—Freitag, 12—16 Uhr u.n.V.

Schulklassen und angemeldete Gäste, werktags ab 9 Uhr 
Eintritt frei, Zugang barrierefrei

Fortsetzung nach den Sommerferien mit neuen Arbeiten (14. August — 28. September)



Termine und Begleitprogramm


Preview mit sommerlicher Cocktailparty: Mittwoch, 6. Juni, 19 bis 21 Uhr
Eröffnungsworkshop für Familien: Sonntag, 10. Juni, 12—14 Uhr
Ausstellungsgespräch mit Thomas Baumhekel und Uta Rahman-Steinert
(Museum für Asiatische Kunst Berlin): Mittwoch, 20. Juni 2018, 19—21 Uhr
Sonntagsmatinee von 11—14 Uhr an jedem 3. Sonntag im Monat und öffentliche Führung um 11.30 Uhr: 17. Juni, 15. Juli, 19. August und 16. September (Führungsgebühr 3 € pro Person)
Chinesische Kalligrafie, Workshops und Führungen, Infos und Anmeldung: kunstvermittlung@herr-hegenbarth-berlin.de



Schriftbilder und Objekte von Thomas Baumhekel
nach romantischen und expressionistischen Landschaften


Um die Ästhetik und die bildhafte Erzählkraft chinesischer und japanischer Schriftzeichen geht es im zweiten Teil der Ausstellungsreihe ‚Überflogenes Weiß‘. Die Hegenbarth Sammlung Berlin zeigt in dieser Sommerausstellung Schriftbilder auf Papier und Objekte des Dresdener Künstlers Thomas Baumhekel. Inspiriert wurden seine Arbeiten von japanischen Sprachlernbüchern sowie romantischen und expressionistischen Landschaften deutscher Künstler.

Unter dem reizvollen Titel ‚Arkona. Deutsche Landschaft japanisch‘ werden in zwei Zeitfenstern (7. Juni — 15. Juli 2018 sowie 14. August — 28. September 2018) jeweils zwölf Arbeiten von Thomas Baumhekel (*1963) Einzelwerken von Caspar David Friedrich (1774—1840), Josef Hegenbarth (1884—1962), Paul Klee (1879—1940) und Emil Nolde (1867—1956) gegenübergestellt.
Der eigenwillige graphische Charakter ist allen gezeigten Arbeiten von Baumhekel gemeinsam: Dem Betrachter treten sie mitunter wie archaische Bildchiffren bzw. Zeichen-Bilder entgegen. Geheimnisvoll und wuchtig schreibt, malt und zeichnet Thomas Baumhekel seine Schriftbilder in der Technik ‚Überflogenes Weiß‘, fei bai 飛白, auf papiernen oder hölzernen Malgründen: mit wenig Tusche im schnellen Duktus, sodass die typischen rissigen Tuschespuren erkennbar sind.


 

Von der Schönheit der Zeichen (weitere Informationen)

Baumhekel entdeckte 2011 zufällig den Katalog zur Ausstellung ‚Caspar David Friedrich und sein Kreis‘, die 1978 in Tokyo mit Leihgaben aus der Galerie Neuer Meister in Dresden stattfand. Fasziniert von den japanischen Bildunterschriften zu den ihm bestens vertrauten romantischen Landschaften, schuf er Tuschearbeiten auf Papier, womit er die Tokyoter Ausstellung quasi nachzeichnete. Baumhekel sieht sich damit wie schon die Expressionisten in der Tradition romantischer Maler: Caspar David Friedrich hat seine Landschaften während des Skizzierens unmittelbar ‚abgeschrieben‘ und im Atelier neu zusammengefügt. Sie lassen sich als Anordnung von Symbolen (beispielsweise Berg, Stein, Tal, See, Mond oder Boot) nach kompositorischen und geometrischen Prinzipien vor einem leeren Hintergrund lesen und verstehen.

Weitere Arbeiten Baumhekels stammen aus der Serie ‚Grundkurs‘, die der Künstler basierend auf einem japanischen Sprachlehrbuch aus der ehemaligen DDR seit 2009 begonnen hat und weiterführt. Solche fanden sich zu hunderten in den Bibliotheken der Volkseigenen Betriebe, die man in Nachwendezeiten entsorgte. Zur Grundkurs-Serie gehören Arbeiten mit so kurzweiligen Titeln wie ‚Das Zimmer von Herrn Berger liegt in einer verkehrsgünstigen Lage‘ oder ‚Es macht doch wohl keinen Spaß, die Sommerferien am Meer zu verbringen, wenn man nicht schwimmen kann‘. Ergänzt wird die Präsentation mit Objets trouvés aus Porzellan, die der Künstler zu ‚Pagoden‘ (chinesisch 塔), zu Sinnbildern fernöstlicher Landschaften, umdeutete.

Thomas Baumhekel, Arkona, Küstenlandschaft mit Ruderboot アルコーナ岬ボートのある海岸風景, 12.04.2012 XVIII, Tusche auf Papier
Thomas Baumhekel, Pagoden, 2008, Porzellan
Thomas Baumhekel, Blick über die Wiesen zum Riesengebirge 草地の彼方のリゼンゲビルゲ, 19.04.2012 XII, Tusche auf Papier
Caspar David Friedrich, Landschaft mit Brücke, Radierung, Kulturhistorisches Museum Stralsund
In der Ausstellung, links: Thomas Baumhekel, Walpurgisnachtszene 2012, rechts: Walpurgisnacht (zu Goethe: Faust I), 1959, Foto: Thomas Baumhekel, 2018
Thomas Baumhekel, Walpurgisnachtszene ヴァルプルギスの夜の場面, 30.08.2012 XVII, Tusche auf Papier
Josef Hegenbarth, Walpurgisnacht (zu Goethe: Faust I), 1959, Pinselzeichnung, © JHA, Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, VG Bild-Kunst 2018 (Detail)
In der Ausstellung, Foto: Thomas Baumhekel, 2018


Vorankündigungen

Zur Ausstellung erscheint eine  Dokumentation  mit Beiträgen von Uta Rahman-Steinert, Museum für Asiatische Kunst Berlin, Beate Wonde, Humboldt Universtität zu berlin und Thomas Baumhekel. Die Loseblattsammlung enthält alle ausgestellten Werke von Thomas Baumhekel in Farbe sowie zum Vergleich schwarzweiße Reproduktionen seiner Bldvorlagen aus dem Katalog Kaspar David und sein Kreis (Tokyo 1978) und Textvorlagen in japanischer bzw. chinesischer Schrift.

Im Herbst wird die Reihe ‚Überflogenes Weiß‘ mit Werken des in Berlin lebenden Künstlers Heinz Handschick fortgesetzt und findet ihren Abschluss im Winter 2019 mit Papierarbeiten von Corinne Laroche (Paris).



Presse / Berichterstattung

Ruedi Strese in der Art Depesche, online seit 14. Juni 2018
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