Herr Hegenbarth zeigt

Matthias Beckmann, Achtung Kinder! Hier entsteht bis 2027 Bildlabor Kleistpark, Bleistiftzeichnung, 2025, © Bildlabor Kleistpark, Matthias Beckmann, 2025; Foto vom Fassadenmodel 1:5, © Bildlabor Kleistpark, Foto: Olaf Schröder, 2026

Bildlabor Kleistpark

Modellräume: Zwischen Idee und Wirklichkeit

04. Februar — 15. Juli 2026

Ort:

Hegenbarth Sammlung Berlin
Laubacher Straße 38
14197 Berlin

Von Landschafts- und Stadträumen, Bildräumen und echten Modellräumen erzählt die aktuelle Präsentation im Schaudepot der Hegenbarth Sammlung Berlin. Unser derzeitiger Ausstellungsraum befindet sich im Transformationsprozess zum Bildlabor Kleistpark. Raumfüllend steht das Fassadenmodell im Maßstab 1:5 (Maquette Modellbau Berlin, 2025) im Zentrum des Schaudepots, das einen ersten Eindruck des Neubaus vermittelt. Wie Papierblätter muten die matten Glasscheiben an, die als gläserne Haut der Fassade vorgesetzt sind. Kaum vorstellbar, dass sich bei Regen die undurchsichtige Glasfront in einen durchsichtigen Vorhang verwandelt.

Die Gestaltung der Außenfassade setzt sich im Raster der eigens hergestellten Modellwand fort, wo eingefügte Aluminiumbänder und -böden ein variables Präsentieren von Bildern und Objekten aus dem reichhaltigen Portfolio der Kunstsammlung ermöglichen. Größtmögliche Flexibilität verspricht die Probewand und gibt einen Vorgeschmack auf die künftigen Räume zwischen dem Haus am Kleistpark und dem Kammergericht Schöneberg.

Die Modellräume spiegeln sich in den ausgewählten Arbeiten der aktuellen Präsentation wider: Unermüdlich dokumentiert Matthias Beckmann (geb. 1965) freihändig zeichnend den Fortschritt der Baustelle und die nachbarschaftliche Umgebung. Die kleinformatigen Bleistiftzeichnungen sind kaum größer als ein Din A4-Blatt. Der Wortwitz einiger Arbeiten entpuppt sich erst beim zweiten Lesen: „Achtung Kinder! Hier entsteht bis 2027 das Bildlabor Kleistpark“.
Die schuppenartig geschichteten Glaselemente des Fassadenmodells muten aber auch wie Fenster an, eine Assoziation, mit der Otto Freundlichs (1878―1943) Blick aus dem Fenster spielt. Die prismatische Pastellzeichnung entstand Mitte der 1920er Jahre und korrespondiert mit der zwanzig Jahre später entstandenen Gouache Ernst Wilhelm Nays (1902―1968) Frau im Garten.

Verschiedene Landschaftsräume präsentieren Pietro Testa (1611―1650) und Giovanni Battista Piranesi (1720―1778): metaphorisch mutet Testas radierte Allegorie der Malerei an, während Piranesis exquisite Erstdrucke gestaffelte oder topografische Stadtansichten Roms zeigen. Sind Josef Hegenbarths (1884―1962) genau beobachtete Figuren in den frühen 1920er Jahren noch in reale Raumkulissen wie Cafés oder Konditoreien gebettet, deutet er die Räume im Spätwerk nur noch an. Das berühmteste Gebäude der Menschheitsgeschichte hatte eine sprachliche Verwirrung unter den Menschen zur Folge, die eigentlich nur am höchsten bauen wollten, um Gott gefällig und am nächsten zu sein: der Turm zu Babel in einer bezaubernden Version, die möglicherweise von Lucas van Valkenborch (1535―1597) oder in seinem Umkreis geschaffen wurde. Auch die Baumeister der gotischen Kathedralen hatten die Superlative vor Augen. Bei James Ensor (1860―1949) wird das Verhältnis zwischen Kirche und Menschenmassen in Szene gesetzt, die Agoraphobie ist deutlich spürbar, so dicht gedrängt stehen die Menschenmassen beieinander, sodass kein Entkommen möglich ist. Ein abstraktes postmodernes Gebäude mutet in Isa Genzkens (geb. 1948) Pinselzeichnung an. In allen Blättern dieser Serie stellte sie Porträts von Freunden und Vorbildern dar.

Öffnungszeiten

Ab 4. Februar 2026 ist der Modellraum immer mittwochs von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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