Die Ausstellung

Wolfram Erber, Die verborgene Sieben im Quadrat, Serie G (4), 2012,
Pastell und Pigmenttusche *

Wolfram Erber:
Die verborgene Sieben im Quadrat

21. Januar — 16. April 2016

Ort:

Hegenbarth Sammlung Berlin
Nürnberger Straße 49
10789 Berlin

Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 20. Januar, 19—21 Uhr
Kindervernissage: Sonntag, 24. Januar, 12—14 Uhr

Die Hegenbarth Sammlung Berlin widmet die kommende Ausstellung erstmalig einem einzigen, heute lebenden Künstler, der sich der Zeichnung auf Papier verschrieben hat, Wolfram Erber.

Im ersten Halbjahr 2015 machte die Sammlung den Auftakt mit einer monografischen Ausstellung ihres Sammlungskünstlers, „Josef Hegenbarths Palette“. Die anschließende Themenausstellung „Tiere schauen“ umfasste über einhundert Exponate von 36 internationalen Künstlern, ausgehend von Arbeiten von Josef Hegenbarth und zehn seiner Zeitgenossen, Freunde und Kollegen, dazu Gemälde, Zeichnungen Fotografien und Skulpturen von 26 heutigen Künstlern. Inhaltlich verfolgen die Ausstellungen der Hegenbarth Sammlung Berlin Themenkreise, die Josef Hegenbarth in seinem Werk vorgibt, wie das Moment des Alltags, Religion, Literatur, Mensch- und Tierwelt. Als Medium nehmen Zeichnung und Malerei auf Papier den Vorrang ein. Ein Motiv, das hier in Ausstellungen und Veranstaltungen besonderes Augenmerk erfährt, ist die Linie — vom minimalistischen Element bis hin zu kalligrafischer Gestik. Vor diesem Hintergrund entstand die Zusammenarbeit mit Wolfram Erber. Er öffnete Mappen und Schränke in seinem Atelier, um eine weit gefasste Auswahl aus frühen und neuen Arbeiten zusammenzustellen, die zum Teil noch nie vorher öffentlich gezeigt waren. So werden rare Schätze aus 50 Jahren künstlerischer Entwicklung zu sehen sein.

Wolfram Erbers streng komponierte Bildaufbauten folgen einem kompositorischen Konzept, das er über viele Jahre entwickelt hat. Er schuf mehrere Reihen zur geometrischen Form des Siebenecks, des Quadrats und des Würfels. Der Werkgruppe der „Verborgenen Sieben“ liegt in einer Serie von sieben Gruppen à sieben Blättern ein Siebeneck als Motiv zugrunde, dessen Umriss sich dem Auge jedoch oft erst durch genaues Betrachten erschließt. Manchmal treten zunächst einzelne Linien und losgelöste Flächen hervor, die sich erst in ihrer äußeren Kontur zu einem Siebeneck zusammenfügen lassen. Die Spielarten, die Erber aus diesem Prinzip schuf, sind so mannigfaltig wie unterschiedlich im Ausdruck. Er arbeitet in seinen Serien nach festen Regeln, die virtuose Wandlungen erfahren. Es gibt Zeichnungen in Bleistift zum Thema des Siebenecks, die bei aller kompositorischer Exaktheit erstaunlich bewegt und lebendig wirken. Nach Stephane Mallarmés Gedicht „Ein Würfelwurf“ entstanden seit den 1970er Jahren die Blätter seines „Mallarmé-Komplexes“, dessen letzte Serie aus dem Jahr 2014 kürzlich in der Galerie Fred Jahn in München zu sehen war. Die Ausstellung zeigt beispielhaft zwei Blätter daraus. Die Arbeiten, die in Pastell und Pigmentstift ausgeführt sind, bestechen durch eine weiche, fast pudrig oder samtig wirkende Oberfläche. Die Bilder sind mit ungeheurer Präzision und Konsequenz ausgeführt. In Gruppen gehängt erinnern sie an Partituren, sie entwickeln eine visuelle Melodie und Rhythmik, ja eine Choreografie, die den Betrachter äußerst lebhaft und ausdrucksstark ansprechen.

Zur Ausstellung „Die verborgene Sieben im Quadrat“ erscheinen ein  Faltblatt  und ein  Faltplakat  mit einem Text von Dr. Simone Schimpf, Direktorin des Museums für Konkrete Kunst, Ingolstadt.

Wieder bietet die Hegenbarth Sammlung Berlin ein anregendes  Rahmenprogramm  und vielfältige Vermittlungsangebote für Kinder und Erwachsene. Am Mittwoch, 10. Februar, werden die beiden Filme „Quadrat I+II“ von Samuel Beckett vorgeführt. Mit zwei namhaften Kuratoren, die mit dem Werk des Künstlers vertraut sind, gibt es Gesprächsführungen durch die Ausstellung: mit Dr. Andreas Schalhorn, Kurator am Kupferstichkabinett Berlin, am Mittwoch, 24. Februar, 19 Uhr, und mit Prof. Dr. Thomas Deecke, u.a. ehemaliger Direktor des Museums Weserburg Bremen, am Samstag, 12. März, 15 Uhr. Und für besonders Interessierte wird ein Atelierbesuch beim Künstler organisiert. Über alle Termine informiert rechtzeitig Herrn Hegenbarths Depesche, die  hier  bezogen werden kann.

Wolfram Erber im Atelier, Foto: Christopher Breu, 2015
Die verborgene Sieben im Quadrat, Serie C (5), 2012, Pastell und Pigmentstift
Wolfram Erber mit Schierlingsflöte, Performance mit James Lee Byars,
Galerie René Block, Berlin, Foto: Klaus vom Bruch, 1980er Jahre
Die verborgene Sieben im Quadrat, 2009 Bleistift
Wolfram Erber mit Schierlingsflöte, Foto: Christopher Breu, 2015
Zweiteilige Arbeit zum I Ging (I), 1973, Schabkartonzeichnung (Detail)
Entwurf zu einer Serie von Glasbildern, ca. 2005, Collage mit eingefärbten Papieren und geschwärzten Karton‑ streifen
Im Atelier, Foto: Christopher Breu, 2015
Wolfram Erber, o.T., Pastell, 2009 (Detail)
Blick in die Ausstellung, Foto: Markus Stegner, 2016

Wolfram Erber wurde 1939 in Berlin geboren und lebt, nach Kindheit und Schulzeit in München und einem einjährigen Aufenthalt in Paris, seit 1972 in Berlin. Neben seinem zeichnerischen Werk schuf er auch Licht- und Klanginstallationen, musikalische und szenische Arbeiten sowie grafische Partituren, die er in Berlin, den USA und Japan zur Aufführung brachte. Er hatte längere Aufenthalte in San Francisco und New York, wohin ihn ein einjähriges Arbeitsstipendium am PS1, verbunden mit einer Ausstellung, führte. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1965 in München, danach folgten zahlreiche Solo- und Gruppenausstellungen in Berlin, Leverkusen, Köln, Innsbruck, Graz, Mailand, Zürich, Dublin und New York.


*)  © Wolfram Erber, Courtesy Galerie Fred Jahn
Wir danken Fred Jahn für die freundliche Unterstützung.

 

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