Die Ausstellung

Heinz Handschick (*1931), Ohne Titel, 2015, Acryl auf Leinwand, © Hegenbarth Sammlung Berlin mit freundlicher Genehmigung des Künstlers

Überflogenes Weiß (III)

Heinz Handschick: Handzeichnungen

18. Oktober — 16. Dezember 2018

Ort:

Hegenbarth Sammlung Berlin
Nürnberger Straße 49
10789 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag—Freitag (12—16 Uhr),
an jedem 3. Sonntag im Monat (11—14 Uhr) sowie nach Vereinbarung
Schulklassen und angemeldete Gäste, werktags ab 9 Uhr 
Eintritt frei, Zugang barrierefrei



Termine und Begleitprogramm


Eröffnung im Beisein des Künstlers: Mittwoch, 17. Oktober (19 bis 21 Uhr)
Kindervernissage mit Familienworkshop: Sonntag, 21. Oktober
(dieses Mal: 13—15 Uhr)
Ausstellungsgespräch mit Heinz Handschick und Dr. Kathleen Krenzlin
(Galerie Parterre Berlin): Sonntag, 18. November 2018 (11.30 Uhr)
Sonntagsmatinee mit öffentlicher Führung um 11.30 Uhr:
21. Oktober, 18. November, 16. Dezember (3 € pro Person)



Pinselzeichnungen auf Leinwand und Papier
aus den Jahren 2008—2018

Heinz Handschicks Handzeichnungen verraten keinerlei Berührungsängste mit dem Neuen — weder bildsprachlich noch bildtechnisch. Mit künstlerischer Neugier bringt der fast 90-jährige zeichenhafte Malereien wie auch malerische Zeichnungen hervor, die nicht nur auf reiner Handarbeit beruhen. Handschick erpixelt sich die Welt, unerschrocken wie Pippi Langstrumpf und weise wie Kronos. Gezeigt werden Pinselzeichnungen auf Papier und Leinwand, die aus skripturalen Kritzeleien entstanden und ins Monumentale gesteigert sind. Dadurch abstrakt sind sie befreit vom Zwang zum schnellen Konsum. Überraschende Gemeinsamkeiten ergeben die vereinzelten Gegenüberstellungen zu Arbeiten von Josef Hegenbarth.

Nach dem Studium an der Berliner Fachschule für Grafik, Druck und Werbung (1951—1955) begann der im brandenburgischen Schlepzig Geborene seine künstlerische Laufbahn im Mosaik-Verlag in Ost-Berlin. Heinz Handschick
(*1931) gehörte dort zum Zeichnerteam von Hannes Hegen (eigtl. Johannes Hegenbarth), einem Neffen Josef Hegenbarths. Ab 1960 arbeitete er als freischaffender Künstler, der es als mehrfach ausgezeichneter Filmplakatgestalter von Ost-Berlin aus zu internationalem Ansehen brachte. Über die Malerin Brigitte Handschick (1939—1994) ist er der Berliner Schule um Lothar Böhme, Wolfgang Leber u.a. verbunden. Nach der Wende positionierte sich der bereits 60-Jährige seit den 1990er Jahren als Maler und Zeichner radikal neu. Dafür erhielt er 2010 den Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung, verbunden mit einer Ausstellung in der Galerie Parterre Berlin.

Von Hand schick!

Heinz Handschick in der Hegenbarth Sammlung zu zeigen, mag auf den ersten Blick überraschen, doch verbinden ihn mit Hegenbarth weit mehr als Pinsel und Papier, das verdeutlicht die Gegenüberstellung: Beide sind über die Illustration zur Zeichnung gekommen. Beide arbeiten mit der gestischen Linie, die sowohl Zeichen als auch Setzung sein kann. Beide bewegen sich damit auf dem Terrain des ‚überflogenen Weiß‘, der aus der ostasiatischen Bildtradition entlehnten Kunst der Andeutung, die bis zum Abstrakten führt. Hierzu hat die Hegenbarth Sammlung Berlin im Mai 2018 die Publikation  Überflogenes Weiß — Der östliche Hegenbarth herausgebracht (ISBN 978-3-945970-06-5).

Die großformatigen, mehrteiligen Arbeiten werden zu den Sonntagsmatineen ausgetauscht und online dokumentiert. Diese Konzeption der Ausstellung macht Handschicks künstlerisches Prinzip sichtbar, sich dem eigenen Können immer wieder neu zu stellen, Vertrautes los- und Veränderungen zuzulassen. Dies zeigt insbesondere seine Maltechnik: Mit dem Kunstgriff der aus heutiger Sicht anachronistischen Vorlagenprojektion blieb Handschick dem Handwerk des Grafikers treu, der (aus Gründen der Zensur in der DDR) seine Entwürfe ausschließlich analog umsetzte und ohne Computer oder Kopierer auskommen musste. Ein altes Faxgerät ist Handschicks modernstes Hilfsmittel. Selbst die Bilderuptionen auf seinen Großformaten malt er mit technischer Disziplin und künstlerischer Gelassenheit.

Handschicks zweite Werkphase ist gekennzeichnet von einem Verlangen nach bedingungslosem Tun. Wie Eugen Blume 2012 über Heinz Handschick schrieb, seine Bilder seien „wie der Künstler selbst von einer beinahe naiv zu nennenden freien Selbstverständlichkeit getragen. Sie rechnen mit nichts und dann sind sie von einer ungebundenen Anwesenheit, die einen beschreibenden Text überflüssig macht.“

Der Künstler in der Ausstellung ‚Heinz Handschick — Handzeichen‘ in den Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus 2001, © Foto: Christopher Breu
Heinz Handschick, Ohne Titel, 2011/2012, Acryl auf Leinwand, 200 × 165 cm, © HSB / Heinz Handschick
Heinz Handschick, Ohne Titel, 2011/2012, Acryl auf Leinwand, 200 × 165 cm
Heinz Handschick, Ohne Titel, 2018, Acryl auf Papier, 50 × 70 cm
Josef Hegenbarth, Aufgestützter Frauenkopf (Katharina), 1961, Pinselzeichnung, 51 × 36 cm
Heinz Handschick, Ohne Titel, 2009/2012, Acryl auf Leinwand, 200 × 160 cm
Erster Bildwechsel im Rahmen der öffentlichen Führung, 21.10.2018
Erster Bildwechsel im Rahmen der öffentlichen Führung, 21.10.2018
Erster Bildwechsel im Rahmen der öffentlichen Führung, 21.10.2018
Zweiter Bildwechsel im Rahmen der öffentlichen Führung, 18.11.2018


Die Ausstellungsreihe ‚Überflogenes Weiß‘ im Überblick


I.
Überflogenes WeißDer östliche Hegenbarth. Die Wahlverwandtschaft Josef Hegenbarths (1884—1962) mit der traditionellen chinesischen Tuschmalerei (Februar bis Mai 2018)

II. Thomas Baumhekel (*1963)Arkona. Deutsche Landschaft japanisch. Die poetische Kraft der japanischen Zeichen in Wechselwirkung mit Einzelarbeiten von Paul Klee (1879— 1940), Caspar David Friedrich (1774—1840) und der performativen Arbeit von Nicole Wendel (*1975) (Juni bis September 2018)

III. Heinz Handschick (*1931)Handzeichnungen. Arbeiten auf Leinwand und Papier aus dem Jahrzehnt von 2008 bis 2018 (Oktober bis Dezember 2018)

IV. Corinne Laroche (*1957)Point(s) de Hasard. (Keine) Punkte des Zufalls. (Januar bis April 2019)

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