Die Ausstellung

Abb. links: Thomas Baumhekel (*1963), Blick über die Wiesen zum Riesengebirge, 19.04.2012 XII, Tusche auf Papier // Abb. rechts: Caspar David Friedrich (1774—1840), Landschaft mit hölzerner Brücke, 1808—1826, Radierung, Stralsund Museum (Detail)

Überflogenes Weiß (II)

Thomas Baumhekel: Arkona.
Deutsche Landschaft japanisch

14. August — 28. September 2018

Ort:

Hegenbarth Sammlung Berlin
Nürnberger Straße 49
10789 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag—Freitag, 12—16 Uhr u.n.V.

Schulklassen und angemeldete Gäste, werktags ab 9 Uhr 
Eintritt frei, Zugang barrierefrei



Termine und Begleitprogramm


Sonntagsmatinee von 11—14 Uhr an jedem 3. Sonntag im Monat mit öffentlicher Führung um 11.30 Uhr: 19. August und 16. September (Führungsgebühr 3 € pro Person)
Workshop chinesische Kalligrafie und Tuschmalerei mit der Künstlern Wang Lan: 19. August und 16. September (13.30—15.30 Uhr, mit Anmeldung)
Lange Nacht der Museen mit Live-Performance, Führungen, Kurzworkshops:
25. August 2018 (18—02 Uhr)



Schriftbilder und Objekte von Thomas Baumhekel
nach romantischen und expressionistischen Landschaften


Um die Ästhetik und die bildhafte Erzählkraft chinesischer und japanischer Schriftzeichen geht es im zweiten Teil der Ausstellungsreihe ‚Überflogenes Weiß‘. Die Hegenbarth Sammlung Berlin zeigt in dieser Sommerausstellung Schriftbilder auf Papier und Objekte des Dresdener Künstlers Thomas Baumhekel. Inspiriert wurden seine Arbeiten von japanischen Sprachlernbüchern sowie romantischen und expressionistischen Landschaften deutscher Künstler.

Unter dem reizvollen Titel ‚Arkona. Deutsche Landschaft japanisch‘ werden im zweiten Zeitfenster der Ausstellung jeweils zwölf Arbeiten von Thomas Baumhekel (*1963) Einzelwerken von Pol Cassel (1892—1945), Caspar David Friedrich (1774—1840) und Josef Hegenbarth (1884—1962) gegenübergestellt. Im Hinblick auf die Lange Nacht der Museen hat Nicole Wendel (*1975) im Auftrag der Hegenbarth Sammlung der Berlin eine Perfomane konzipiert, die am 25. August vor den ausgestellten Arbeiten  zur Aufführung  kommt. Mitternächtlich-still und Mond-beschwörend geht es auch in den neu hinzugekommenen Werken zu.
Zum ersten Zeitfenster  (07. Juni — 15. Juli 2018)

Der eigenwillige graphische Charakter ist allen gezeigten Arbeiten von Baumhekel gemeinsam: Dem Betrachter treten sie mitunter wie archaische Bildchiffren bzw. Zeichen-Bilder entgegen. Geheimnisvoll und wuchtig schreibt, malt und zeichnet Thomas Baumhekel seine Schriftbilder in der Technik ‚Überflogenes Weiß‘, fei bai 飛白, auf papiernen oder hölzernen Malgründen: mit wenig Tusche im schnellen Duktus, sodass die typischen rissigen Tuschespuren erkennbar sind.


 

Von der Schönheit der Zeichen (weitere Informationen)

Baumhekel entdeckte 2011 zufällig den Katalog zur Ausstellung ‚Caspar David Friedrich und sein Kreis‘, die 1978 in Tokyo mit Leihgaben aus der Galerie Neuer Meister in Dresden stattfand. Fasziniert von den japanischen Bildunterschriften zu den ihm bestens vertrauten romantischen Landschaften, schuf er Tuschearbeiten auf Papier, womit er die Tokyoter Ausstellung quasi nachzeichnete. Baumhekel sieht sich damit wie schon die Expressionisten in der Tradition romantischer Maler: Caspar David Friedrich hat seine Landschaften während des Skizzierens unmittelbar ‚abgeschrieben‘ und im Atelier neu zusammengefügt. Sie lassen sich als Anordnung von Symbolen (beispielsweise Berg, Stein, Tal, See, Mond oder Boot) nach kompositorischen und geometrischen Prinzipien vor einem leeren Hintergrund lesen und verstehen.

Weitere Arbeiten Baumhekels stammen aus der Serie ‚Grundkurs‘, die der Künstler basierend auf einem japanischen Sprachlehrbuch aus der ehemaligen DDR seit 2009 begonnen hat und weiterführt. Solche fanden sich zu hunderten in den Bibliotheken der Volkseigenen Betriebe, die man in Nachwendezeiten entsorgte. Zur Grundkurs-Serie gehören Arbeiten mit so kurzweiligen Titeln wie ‚Das Zimmer von Herrn Berger liegt in einer verkehrsgünstigen Lage‘ oder ‚Es macht doch wohl keinen Spaß, die Sommerferien am Meer zu verbringen, wenn man nicht schwimmen kann‘. Ergänzt wird die Präsentation mit Objets trouvés aus Porzellan, die der Künstler zu ‚Pagoden‘ (chinesisch 塔), zu Sinnbildern fernöstlicher Landschaften, umdeutete.

Thomas Baumhekel, Wenn es Mitternacht wird, wird es ringsherum ganz, ganz still, deshalb kann ich gut lernen. 夜中になるとあたりがシーンと静かになるので、よく勉強ができます。, 11.05.25 V, Tusche auf Papier
POL Cassel, o.T. (Steinbruch im Mondlicht), Aquarell, Hegenbarth Sammlung Berlin, Foto: Galerie Bassenge
Installationsansicht mit Thomas Baumhekel, Pagode, 2008, Porzellan (rechts) und Caspar David Freidrich (links), Foto: T. Baumhekel
Nicole Wendel und Audrey Rose Burden, Corhythm, Collaborationdrawing #5, weiße Kreide (Insel Rügen) auf schwarzem Papier, 25.08.2018, Foto: T. Baumhekel
In der Ausstellung, links: Thomas Baumhekel, Walpurgisnachtszene 2012, rechts: Walpurgisnacht (zu Goethe: Faust I), 1959, Foto: Thomas Baumhekel, 2018
Thomas Baumhekel, Walpurgisnachtszene ヴァルプルギスの夜の場面, 30.08.2012 XVII, Tusche auf Papier
Josef Hegenbarth, Walpurgisnacht (zu Goethe: Faust I), 1959, Pinselzeichnung, © JHA, Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, VG Bild-Kunst 2018 (Detail)
In der Ausstellung, Foto: Thomas Baumhekel, 2018


Ankündigungen

Zur Ausstellung ist eine  Dokumentation  mit Beiträgen von Uta Rahman-Steinert, Museum für Asiatische Kunst Berlin, Beate Wonde, Humboldt Universtität zu berlin und Thomas Baumhekel erschienen. Die Loseblattsammlung enthält die ausgestellten Werke von Thomas Baumhekel sowie zum Vergleich die diesen Arbeiten zugrunde liegenden Reproduktionen aus dem Katalog ‚Caspar David Friedrich und sein Kreis‘ (Tokyo 1978) und Textvorlagen in japanischer bzw. chinesischer Schrift.

Eine weitere Ausstellung mit japanischen Schriftbildern von Thomas Baumhekel sehen Sie ab November in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: Heinrich von Kleist. Hegenbarth und Baumhekel. (18.11.2018—14.04.2019, Josef-Hegenbarth-Archiv Dresden-Loschwitz)

Die erste Passage der Reihe ‚Überflogenes Weiß‘ war dem  östlichen Hegenbarth  gewidmet. Sie fand im Frühjahr 2018 statt. Im Herbst wird die Reihe mit Werken des in Berlin lebenden Künstlers  Heinz Handschick  fortgesetzt und findet ihren Abschluss im Winter 2019 mit Papierarbeiten von Corinne Laroche (Paris).



Presse / Berichterstattung

Ruedi Strese in der Art Depesche, online seit 19. August 2018
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