Herr Hegenbarth zeigt

Malte Spohr, Waldinneres reloaded 04, 2021, Bleistift auf Bütten, 200 × 260 mm, © Hegenbarth Sammlung Berlin / Malte Spohr

Hegenbarth trifft Gegenwart

Waldinneres Reloaded

14. September — 15. Dezember 2021

Ort:

Hegenbarth Sammlung Berlin
Kunst auf Papier
Laubacher Straße 38
14197 Berlin

Öffnungszeiten:
mittwochs 12—17 Uhr und nach Vereinbarung
Eintritt frei, Zugang eingeschränkt barrierefrei

Ausstellungseröffnung am 15.9.2021 um 19 Uhr
Bitte beachten Sie folgende Corona-Regeln in unseren Räumen:
Es gelten die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet — halten Sie den entsprechenden Nachweis bereit), die üblichen Abstände und die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (FFP2- oder medizinische Maske). Bitte hinterlassen Sie am Eingang Ihre Daten per App oder auf den ausgelegten Kontaktzetteln.

Neue Zeichnungen von Malte Spohr

Bis Mitte Dezember zeigt die Hegenbarth Sammlung Berlin neue Zeichnungen von Malte Spohr, die nach einem Blatt von Josef Hegenbarth und eigenen Fotografien für die Präsentation im Schaudepot entstanden sind. Weitere Arbeiten auf Papier aus dem Sammlungsbestand von Willi Baumeister, Peter Brüning, Carl Buchheister, Karl Fred Dahmen, Max Ernst, Karl Otto Götz, Horst Janssen sowie Nicole Schuck ergänzen die Präsentation.

Mit der Pinselzeichnung ‚Waldinneres‘ von 1950 liegt eine der seltenen reinen Landschaftsmotive in Hegenbarths Schaffen vor. Dort breitet sich in der blattfüllenden Darstellung eine monumentale Felsformation im Vordergrund und eine dicht gewachsene Waldvegetation im Hintergrund aus. Die ambivalente Darstellung, in der sämtliche Partien aus wenigen Pinselspuren bestehen, eröffnet dem Betrachter den Raum für phantasievolle Bilddeutungen.

Malte Spohr transformiert daraus vier gleich große Bleistiftzeichnungen, die Strukturen assoziieren, wie sie sich möglicherweise im Unterirdisch-Verborgenen erstrecken. Mit diesen Erscheinungen des Unsichtbaren, des Bewegten, der verborgenen Kommunikationen zwischen Pilzmyzel und Baumwurzel zeigt Malte Spohr uns seine Empfindungen als ‚Waldinneres reloaded‘.

Die Blätter der Serie sind betitelt mit ,Waldinneres reloaded 01 bis 04‘. Sie lassen sich aufgrund ihrer technikbedingten Monochromie kaum voneinander unterscheiden. Malte Spohr scheint damit keinen Anspruch auf ein Gesamtbild des Waldes anzustreben. Vielmehr wirkt jedes Blatt wie der vergrößerte Ausschnitt eines Superorganismus.

Zur Biografie von Malte Spohr

Die Monografie Malte Spohr. Aufzeichnungen 1994—2018 (mpk — Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern) ist in der Ausstellung zum Preis von 19,80 € erhältlich.

Josef Hegenbarth, Blatt 3 zu Brüder Grimm: Der gelernte Jäger (KHM 111), um 1943, farbige Pinselzeichnung, 249 × 321 mm, © VG Bild-Kunst Bonn 2021
Willi Baumeister, Aufzug der Giganten, 1946, handkolorierte Lithografie, 510 × 430 mm, © VG Bild-Kunst Bonn 2021
Peter Brüning, Höhenlinien, 1966, Lithografie, 269 × 293 mm, © VG Bild-Kunst Bonn 2021
Karl Fred Dahmen, ohne Titel, 1962, Collage, 600 × 480 mm, © VG Bild-Kunst Bonn 2021
Nicole Schuck, Superorganismus, 2015, Bleistift auf Papier, 297 × 420 mm, © VG Bild-Kunst Bonn 2021

Ergänzungen zu Spohr und Hegenbarth

Josef Hegenbarth ist mit drei zusätzlichen Illustrationen in der Ausstellung vertreten. Dabei fällt auf, dass er die Waldlandschaft stets als Bühnenraum inszeniert. Die vegetabilen Gestalten ordnet er einerseits der Dynamik der Erzählung unter, verselbständigt sie andererseits als Akteure eines geheimnisvollen Stimmungsraums, gleichauf mit der menschlichen Gestalt. In Hegenbarths Waldzeichnung von 1950 ist der Zuschauer selbst an deren Stelle ins Waldinnere vorgerückt wie in eine andere Welt. Funktioniert in ihr die Orientierung noch über bekannte Naturformen, sieht er sich in den Bildern Malte Spohrs mit unbekannten Zeichen einer ihm fremden Welt konfrontiert. Wer diese mit Muße studiert, wird erkennen ohne verstehen zu müssen.

Den Dialog von Spohr und Hegenbarth ergänzen weitere Waldstimmungen auf Papier aus dem Sammlungsbestand: zum Beispiel ‚Aufzug der Giganten‘ (1946), die man für Baumriesen halten könnte, von Willi Baumeister und die aus der Vogelperspektive betrachtete, quasi kartografische Waldlandschaft ‚Höhenlinien‘ (1966) von Peter Brüning; der ‚Superorganismus‘ (2017) von Nicole Schuck hingegen ähnelt einem mikroskopisches Gebilde, in welchem der Wald als Kosmos aufscheint. Mit Zeichnung, Radierung, Lithografie, Monotypie, Collage, Malerei und Grattage — desgleichen von Horst Janssen, Carl Buchheister, Karl Fred Dahmen, Max Ernst und Karl Otto Götz — führt die gezeigte Auswahl verschiedenste Gestaltungsweisen vor Augen, die Wesenhaftes im Waldinneren konkret behandeln oder abstrakt zu ergründen suchen.

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